Die perfekte Energiekurve – Teil 2

Die 1-2-3-Regel:

Diese Regel führt dich wohl am Leichtesten zu einem gut aufgebauten Song! Es gibt hierzu unzählige Beispiele, auch in der Natur. Egal ob dein Herzschlag, die Anzahl der Blätter eines Tannenzapfens, ja selbst das menschliche Gesicht folgen dieser Regel! Auch die Mona Lisa und einige Fahrzeugmodelle bekannter Hersteller sind nach dieser Regel aufgebaut – besser bekannt als der Goldene Schnitt!

Ob du daran glaubst oder nicht, bleibt völlig dir überlassen, aber auch in der Musik kommt das Meiste in 3 Schritten. Hier also die Analogie zur Musik:

Typischer Aufbau eines Songs

Anhand dieses Diagramms merkst du vermutlich, dass es eine ungeschriebene Regel gibt, wie oft ein Songteil wiederholt wird und wie er sich dann zu verändern hat! Wenn du also dem goldenen Schnitt folgst, kannst du sicher sein, dass dein Song – zumindest vom Aufbau her – zum Hit wird!

1 – Einführung – 2 – Wiederholung – 3 – Veränderung

Der erste Schritt ist im Songwriting wirklich wichtig, wird aber von vielen vergessen oder unterschätzt! Das hat mit der Erwartungshaltung und Vorfreude zu tun. Wenn wir als Songwriter uns schon nicht auf den Refrain vorbereiten, warum sollte es dann der Zuhörer tun? Wir werden uns die Standard- Energiekurve also mal genauer anschauen. Im Detail den ersten Buildup zum ersten Höhepunkt:

Der erste Buildup unter der Lupe

Wir bauen Spannung und Hype langsam auf, um zum nächsten Höhepunkt zu leiten. Und nochmal der wichtige Hinweis. Ändern sich diese zwei Eigenschaften im Song nicht, wird der Zuhörer schnell gelangweilt sein! Es gibt 3 Wege um die Vorfreude auf den Refrain zu erhöhen:

  1. Erhöhung des Hype-Levels alle 4-8 Takte
  2. Erhöhung der Spannung
  3. Erhöhung von Hype UND Spannung

Erhöhung des Hype-Levels

Als Beispiel dient in diesem Abschnitt Serj Tarkan’s „The unthinking majority“. Dies stellt die Grundlage dar, den Zuhörer „gefangen zu nehmen“. Wenn der Hype immer weiter und weiter steigt, steigt auch die Vorfreude auf das was da kommt. Allerdings kann sich ein Song sehr sprunghaft anhören, wenn man nur Hype nutzt um den Zuhörer am Kopfhörer zu halten, wenn er nicht richtig eingesetzt wird! Im richtigen Kontext kann aber gerade das zu einem sehr kreativen Prozess führen!

Erhöhung der Spannung

Der einfachere Weg, die Energie eines Songs zu erhöhen, geht über die Spannung. Allerdings ist dies auch deutlich vom Zuhörer spürbar! Die Aura eines Mysteriums baut sich damit viel viel leichter auf und ist somit auch sehr offensichtlich! In Katy Perri’s „Firework“ kann man das ab Sekunde 40 spüren! Man sollte daher den Weg gehen, Spannung und Hype gleichermaßen zu nutzen!

Erhöhung von Hype und Spannung

Der erste Buildup von Sia’s Chandelier (1:40-2:03) zeigt deutlich, dass diese Methode der beste Weg ist, um die Energie eines Songs zu steigern ohne zu offensichtlich zu sein! Der Zuhörer wird damit ständig an der Stange gehalten, und diese Technik ist gar nicht mal so schwer, wenn man weiß wie es geht!

Tipp: Damit die Sprünge z.B. zwischen Strophe und Refrain nicht zu offensichtlich sind, müssen die Übergänge etwas „glatt gebügelt“ werden, bzw. sie brauchen die meiste Aufmerksamkeit im Song-Writing, damit eben der ein Hit wird! auch dafür gibt es wieder verschiedene Techniken:

Der Sprung (Black Eyed Peas – I got a feeling Sprungübergänge ab Minute 1)

  • Szenario: Sprungweises Erhöhen des Hype-Levels
  • Best-Case-Szenario: „In your face“, überraschend
  • Worst-Case-Szenario: Chaotisch, verwirrend

Diese Art von Steigerung wird oft genutzt, um eine deutliche Abgrenzung von Strophe und Refrain zu haben, damit der Refrain wirklich groß wirkt.

Sanfte Steigerung (Adele – Set fire to the rain 0:55-1:00)

  • Szenario: Langsames aber stetiges, kurzes Erhöhen der Spannung
  • Best-Case-Szenario: interessant, spannend und schön
  • Worst-Case-Szenario: vorhersehbar

Diese Art von Steigerung wird oft genutzt, weil sie einfach und trotzdem aufregend ist.

Drop (Rihanna – Disturbia bei 1:19)

  • Szenario: Den Hype sprunghaft verringern um die Erwartung zu steigern
  • Best-Case-Szenario: faszinierend und überraschend
  • Worst-Case-Szenario: enttäuschend und langweilig

Diese Art von Steigerung ist schwer, da man den Zuhörer leicht verlieren kann. Mithilfe einer Steigerung der Spannung kann man ihn aber an der Stange halten.

Überraschung (Katy Perry – Dark Horse bei 1:17)

  • Szenario: Spannung aufbauen, dann ein kurzer Drop im Hype
  • Best-Case-Szenario: Emotional und spannend
  • Worst-Case-Szenario: langweilig und enttäuschend

Diese Art stellt oftmals den Übergang zwischen Refrain und der folgenden Strophe dar. Es fühlt sich an, als würde jemand die Luft zum Atmen aus dem Raum saugen. Das kann aber auch beim normalen Drop passieren.

Flachbleibendes Level (Taylor Swift – Shake it off bei 0:17)

  • Szenario: Das Hypelevel bleibt gleich
  • Best-Case-Szenario: –
  • Worst-Case-Szenario: Der Song ist wahnsinnig langweilig

Sehr schwer umzusetzen! Du brauchst etwas, dass so spannend für den Zuhörer ist, dass er trotzdem weiter am Ball bleibt! Z.B. einen wahnsinnig guten Sänger oder einen tollen Rhythmus/Groove, der alles hat, was es braucht. Das heißt aber nicht, dass der Song nicht plötzlich mitreißen kann. Im Zweifelsfall muss die Spannung erhöht werden. 

Mithilfe dieser 5 Regeln kannst du jetzt also tolle Übergänge schaffen und den Song auf Dauer interessant halten. Es gibt natürlich noch einige mehr, aber sie ähneln diesen 5 Techniken zu sehr, als dass ich sie hier aufführen möchte. Du kannst sie mischen oder oftmals die selbe Technik anwenden. Es wird dir auf jeden Fall helfen, deine Musik besser zu verstehen und sie interessanter zu gestalten. Die beste Möglichkeit, das auszutesten sind deine Freunde. Zeig ihnen deine Musik und bitte sie (nach einer kurzen Erklärung von Spannung und Hype) eine Energiekurve zu zeichnen. Wenn das dabei herauskommt, was du dir vorgestellt hast, machst du es richtig. Übung macht hier den Meister!

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